donnerstags in Horrem

Nach der Demonstration am 19.02. wegen des geplanten Stammtischs der sog. AfD mit angemeldeten 25 Teilnehmern und mehr als 200 Gekommenen in Kerpen-Horrem, verstetigt sich ein wöchentliches Treffen unter dem Motto „Horrem im Dialog. Offen. Bunt. Demokratisch.“ auf dem Friedrich-Ebert-Platz. Initiiert von Menschen aus Horrem, die sich in der WhatsApp-Gruppe „Für ein buntes Wir in Horrem“ organisiert haben. Mitgetragen werden die Treffen vom „Kerpener Bündnis für Toleranz, Zusammenhalt und eine wehrhafte Demokratie“ welches u. a. vom hab8cht e.V. unterstützt wird.

Diese friedvollen Treffen bei Musik und spannenden Gesprächen, bieten ein Forum für selbstwirksames Vernetzen. Menschen die neugierig den Dialog suchen finden dort Verständnis in der Gemeinschaft was sie motiviert auch beim nächsten Dialogtreffen am folgenden Donnerstag zu kommen.

An zwei Nachmittagen waren junge Demokrat:innen eingeladen mit Spielen und Spaß den Platz lachend, freudig sowie bunt zu beleben.

Regelmäßig ergänzt die junge Antifa Rhein-Erft die Donnerstagstreffen. Anfangs noch laut, nach und nach auch auf den Dialog setzend und bereit zur Diskussion, wenn mal ein:e Sympathisant:in der sog. AfD, wohl auch neugierig das Gespräch sucht. Umgekehrt wurden auch aus der Gruppe „Offen. Bunt. Demokratisch“ Gesprächsversuche unternommen mit dem Gegenüber.

Ein langer Tisch hat zweimal stattgefunden an dem gemeinsam getafelt, Musik gehört und diskutiert wurde. Wenn es regnet ist ein Zusammenrücken noch spannender und verbindender.

Flagge gezeigt wird z.B. mit dem Bündnisbanner, der Regenbogen-, Europa- und „Kein Ort für Rassismus“- Fahne.

Des Weiteren hat die Gruppe „Für ein buntes Wir in Horrem“ ein erstes Beratungsgespräch mit der MBR (Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus NRW) organisiert. Am 2 Juni 2026 wird es ein vom MBR moderiertes Treffen geben, zu dem alle Beteiligten des Bündnisses, der Initiatoren der Donnerstagstreffen usw. eingeladen werden um sich kennenzulernen. Es gilt Themen zu finden und zu besprechen, die allen wichtig sind und eine langfristige Stabilität des Netzwerks gewährleisten.

Die neuesten Aktivitäten donnerstags in Horrem finden sich hier:

Veranstaltung #2 Rechtsextremismus aus der Reihe „Extremismus Erkennen und Handeln“

In der Veranstaltungsreihe stand unter dem #2 der Rechtsextremismus im Rhein-Erft-Kreis als Thema an. Eingeladen hatten in Kooperation der Give e.V., hab8cht e.V. und der AWO Rhein-Erft & Euskirchen e.V. unterstützt von „Kommunales Integrationszentrum Rhein-Erft-Kreis“. Referiert wurde von Dr. Christoph Busch von der Abteilung Verfassungsschutz des Ministerium des Innern NRW.

75 Menschen kamen nach Kerpen ins Mosaik zum Vortrag von Dr. Christoph Busch.  

„Der beste Verfassungsschutz besteht aus mündigen Bürgerinnen und Bürgern, die für ihre Demokratie eintreten und rechte Hetze in die Schranken weisen“, waren seine Worte.

Dr. Busch berichtete über eine deutliche Veränderung und Verschärfung des Rechtsextremismus in Deutschland, insbesondere in Nordrhein-Westfalen. Im Mittelpunkt steht die zunehmende Radikalisierung junger Menschen über das Internet. Dort nutzen rechtsextreme Gruppen gezielt Propaganda, Gemeinschaftsangebote und einfache Feindbilder, um Jugendliche anzusprechen und für ihre Ideologie zu gewinnen. Die von Herrn Dr. Busch gezeigten exemplarischen Videosequenzen/ Filmberichte waren in ihrer Menschenverachtung teils schwer ertragbar.

Dabei zeigt sich, dass vor allem junge Menschen ohne stabiles soziales Umfeld besonders anfällig sind. In Online-Communities werden sie schrittweise an ein rassistisches, antisemitisches und gewaltverherrlichendes Weltbild herangeführt. Diese Entwicklung kann bis hin zu konkreten Gewaltfantasien und geplanten Anschlägen führen.

Zugleich wird deutlich, dass sich die Szene verjüngt und modernisiert hat. Neben klassischen neonazistischen Gruppen entstehen neue Formate wie sogenannte „Active Clubs“, die zunächst unpolitisch erscheinen, ihre Mitglieder jedoch ideologisch beeinflussen.

Ein weiterer Aspekt ist die Rolle der Neuen Rechten. Diese tritt nach außen bürgerlich auf und versucht gezielt, ihre Positionen in der gesellschaftlichen Mitte zu verankern. Trotz dieser moderaten Fassade bestehen inhaltliche Überschneidungen mit offen radikalen und gewaltbereiten Gruppen.

Aus dem Publikum kamen teils kritische Anmerkungen zum Versagen von Behörden wie z.B. beim Erkennen des NSU oder rechtsextremen Tendenzen in der Polizei. Herr Dr. Busch sieht hier einen Wandel durch ein diverseres Personal in den Behörden und eine erhöhte Sensibiltät. Er schloss seinen Vortrag mit einem humoristischen Kurzfilm als Hoffnungsgeber nach den eher alarmierenden Informationen.

Es ist wichtig, dass wir wachsam bleiben, Haltung zeigen und aktiv gegen jede Form von Rechtsextremismus eintreten. hab8cht dankt allen Teilnehmenden, den aktiven zivilgesellschaftlichen Demokratieschützer:innen, Behörden und Verfassungsorganen