Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus
Gedenkveranstaltung mit anschließendem Mahngang zum Rautenstrauch-Joest-Museum
Wenn kritisches Denken mit Machtpolitik unterdrückt wird, wenn Studierende Gelerntes nicht mehr hinterfragen dürfen, werden Demokratie und Menschlichkeit Schaden nehmen. Die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre muss verteidigt werden und frei sein von politischer und finanzieller Einflussnahme. Deshalb wollen wir an diesem 27. Januar erinnern an die NS-Geschichte der 1919 neu gegründeten Kölner Universität.
Schon 1927 wurde der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB) an der Uni Köln gegründet, er gewann ab 1929 an Einfluss. Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten im Januar 1933 kam der Universität Köln bei der reichsweiten Gleichschaltung der Universitäten eine Vorreiterrolle zu. Bereits am 11. April 1933 wurde Prof. Dr. Ernst Leupold, Mediziner und NSDAP-Mitglied, zum Rektor gewählt, die wichtigsten universitären Posten mit NSDAP-Mitgliedern besetzt. Bei einer Konferenz aller Hochschulrektoren am 12. April 1933 konnte Kultusminister Rust ihnen die Selbstgleichschaltung der Kölner Universität als leuchtendes Beispiel vor Augen halten.
Im Foyer des Hauptgebäudes wehte nun die Hakenkreuzfahne. Wissenschaftliche Inhalte, die nach NS-Ideologie nicht an deutsche Universitäten gehörten, wurden ausgelöscht. Schon im Vorgriff auf künftige Regelungen ließ Leupold für das Sommersemester 1933 keine Immatrikulation jüdischer Studierender mehr zu. Missliebigen Promovierten wie der Jüdin Lotte Schlesinger wurde trotz bereits bestandener Prüfungen ihr Doktortitel aberkannt.
16 Professoren wurden zwangsweise beurlaubt, 57 Dozent:innen entlassen. Nur bei dem international anerkannten jüdischen und linken Juristen Prof. Hans Kelsen erfolgte eine Petition zur Weiterbeschäftigung an den Kultusminister. Dr. Julius Lips, Leiter des Rautenstrauch-Joest-Museums und außerordentlicher Professor für Völkerkunde, floh in die USA. Der katholische Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Benedikt Schmittmann wurde verhaftet und später im KZ Sachsenhausen ermordet.
An der medizinischen Fakultät waren es insbesondere die Anthropologen, Psychiater, Erbbiologen, Rassenhygieniker sowie die Gynäkologen, die sich in ihrer klinischen Arbeit und in ihren Forschungen dienstfertig gegenüber dem NS-Regime zeigten. Nach 1945 gab es sowohl inhaltliche als auch personelle Kontinuitäten. Eine Aufarbeitung des begangenen Unrechts an der Universität fand über Jahrzehnte nicht statt.
Der Schwur der Überlebenden des KZ Buchenwald vom April 1945 ist immer noch aktuell: Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.
